09.02.16 DIE WELT  Regional Hamburg und Schleswig-Holstein
Flüchtlinge in Hamburg: Bürgerinitiative in Eppendorf gegründet

„Eppendorf wehrt sich gegen Flüchtlings-Großunterkunft“

So soll die Unterkunft an der Osterfeldstraße aussehen: Ein Backsteinkomplex, abgeschirmt von der Straße, mit breiten Innenhöfen und viel Raum für Spielplätze

Bis zum Ende des Jahres sollen die Unterkünfte fertig sein. Noch wird das Grundstück gewerblich genutzt

In Hamburgs wohlhabendem Stadtteil sollen bis zu 2400 Flüchtlinge in einem Gewerbegebiet wohnen. Nun formiert sich mit der Gründung einer Bürgerinitiative der Protest gegen die Planungen des Bezirks.

Bis in den späten Montagabend haben etwa 50 Menschen im Hamburger Stadtteil Eppendorf zusammengesessen, um die Gründung einer Bürgerinitiative zu beschließen.

Vier Stunden lang haben Anwohner über Ziele und Ausrichtung diskutiert. Die Stimmung sei sehr konstruktiv gewesen, heißt es von Teilnehmern. „Ich war überrascht über die rege Beteiligung“, sagt Rolf Stellermann im Gespräch mit der „Welt“. Er leitet die Bürgerinitiative zusammen mit Cristine Dorow.

Der Initiative gehe es vielmehr darum, ihre Sorgen bei der derzeitigen Planung zum Ausdruck zu bringen, sagt der CDU-Bezirksabgeordnete Stefan Bohlen. Er war als Vermittler bei der Gründung anwesend. Seine Partei unterstütze die Anliegen der Initiative, die sich selbst aber eine Überparteilichkeit attestiert.

Fragen rund um Giftstoffe, Getto und Gewerbe

Im Vorfeld sprachen Anwohner von der Gefahr einer möglichen „Gettoisierung“ in dem Gewerbegebiet. Die Initiative bemängelt zudem die ungeklärte Frage der Giftstoffe im Boden.

Ein weiteres Anliegen der Bürgerinitiative: Die bedrohte Existenz des angrenzenden Gewerbes und den dortigen Arbeitsplätzen.

In den kommenden Tagen will die neue Initiative ihre Ziele weiter konkretisieren und sich breiter aufstellen. Dazu gehört etwa die Organisation von Info-Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit. Auf der Internetseite eppendorf-lokstedt.de entsteht derzeit ein Online-Auftritt der neuen Bürgerinitiative. Regelmäßige Infos gibt es auch über die E-Mail-Adresse info@eppendorf-lokstedt.de. Bisher liege der Interessentenkreis bei etwa 300 Menschen.

Klage gegen den Bau ist bereits in Vorbereitung

Eine Klage gegen das Projekt ist bereits in Vorbereitung. Die Kanzlei Klemm und Partner vertritt die Anliegen der Deutschen Real Estate, Eigentümerin eines Grundstücks direkt neben der geplanten Unterkunft.